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Traditionell Irish Folk aus Schwerin

Peters IRLAND – Reisetagebuch No.5- Reel 2001

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INTRO

Wer dieses Tagebuch liest, erhält vielleicht einen kleinen  Eindruck von Reel – von Raimund, Andreas, Jens und Peter und einen kleinen Eindruck von der Insel.

Es ist ein Reel -Reisetagebuch und nicht mehr! Unsere Reisen waren bisher nie langweilig und manchmal konnte ich, aus hier  nicht weiter zu erklärenden Gründen, auch nicht mehr alles aufschreiben. Außerdem kam es bisher auch ab und zu vor, dass es aus diesem selben Grund Gedächtnislücken gab. Also, bitte auch zwischen den Zeilen lesen (sagte  mein Politoffizier im Grundwehrdienst damals zu mir, als ich einige Artikel aus dem ND nicht ganz deuten konnte). Oder fragt uns einfach - manchmal ist die Erinnerung nach einem kleinen Hinweis ja wieder da.

 

Es gab Reisen, mit mehr kulturellen bzw. kulturhistorischen Höhepunkten als diese.

Wir haben in den letzen 5 Jahren eine Menge von Irland gesehen (bei weiten  jedoch, ehrlich gesagt noch viel zu wenig!) und eine Menge Leute kennengelernt. Wir haben Nächtelang musiziert, gesungen und erzählt und so, viel über die aktuelle Situation im Land erfahren. Wir wurden mehrfach in Pubs mit  einem uns nicht angenehmen deutschen Gruß empfangen, waren erst schockiert, haben unsere Meinung hierzu kund getan, mit den Leuten darüber diskutiert und wissen jetzt warum man uns so grüßte.

Neben den wunderschönen  Landschaften, erinnern wir uns am liebsten an die vielen netten Menschen, die wir kennengelernt und die uns so herzlich aufgenommen haben.

Vielleicht hat jemand Spaß am lesen unsere Reiseberichtes, dass würde uns freuen.

Hat jemand Fragen zu unseren Irlandreisen, dann kann man uns schreiben über diese Internetadresse oder direkt an Peter – peter.kingerske@gmx.de

            Sprecht uns auf unseren Konzerten an oder ladet uns ein.

 Frühling 2001

Der konkrete Termin für den jährlichen Irlandaufenthalt wird meistens am Anfang des Jahres festgelegt. Am liebsten würden wir im Frühling und im Herbst auf die Insel fahren, aber ... es geht halt nicht.

Da der  Frühling schon wieder mal ausgebucht ist, bleibt uns nichts weiter übrig, wieder im Herbst zu reisen. Im Sommer haben wir Irland bisher noch nicht erlebt. Es soll dann auch reichlich von Touris wimmeln. Der Frühling und der  Herbst ist für uns die schönste Zeit auf der Insel. Die Ruhe ist noch da bzw. schon wieder eingekehrt. In dieser Zeit besteht i.d.R. nur die Gefahr, auf europäische Angeltouristen zu stoßen.

Das Wetter im Frühling oder  Herbst ist wahrscheinlich wie im ganzen Jahr - es regnet oder es scheint die Sonne, immer im Wechsel, beides manchmal mehr oder weniger.

Es ist auch schon vorgekommen, dass wir im schönsten Herbst – Ende September im  Atlantik gebadet haben. Manchmal regnet es auch nur einmal wenn wir in Irland sind- am Anfang unserer Reise und es hört nicht auf, bis wir wieder weg sind. Aber dass gibt es zu Hause auch.

 

Spätsommer 2001- Jetzt planen wir erst mal unsere fünfte Reise.

Nach zu lange  Überlegen haben wir eines Abends im September 2001 beschlossen mit Ryanair – einer sehr preiswerte irischen Fluggesellschaft nach Irland zu fliegen.

Man erzählt sich, dass es auch einige sehr preiswerte Stehplätze gibt,  aber das stimmt nicht. Dafür darf nicht geraucht werden, es gibt keine Platzreservierungen und keinen Keks umsonst (nur zu kaufen). Die 2 Std. bis London halten wir auch so durch.

Die Überfahrt mit PKW und Fähre ist  uns  nun doch langsam zu anstrengend geworden (obwohl es auf den Schiffen tolle Büfetts gibt und wir uns für die anstrengende Woche in Irland - i.d.R. wenig feste Nahrung - reichlich gestärkt haben). Aber so heben wir  unsere Kräfte auf, für das was uns in diesem Jahr auf der grünen Insel erwartet. Bei Ryanair ändern sich die Flugpreise ständig. Noch vor einer Woche hätten wir den Flug von Lübeck nach London Stansted paar hundert DM  preiswerter bekommen. Wir buchen schnell (via Internet) unsere Tour für Ende September.

Unsere Familien sind natürlich wie jedes Jahr entsetzlich traurig, uns fahren lassen zu müssen, aber unsere liebe Anette opfert sich  für uns auf und fährt uns am Samstag nach Lübeck zum Flughafen.

 

Samstag, 29.09.2001

Lübeck- Flughafen - ein kleiner Flughafen (Hamburg- Lübeck) ganz in unser Nähe. Unsere liebe Nette liefert uns hier gegen 7.30 Uhr ab. Wir checken uns zum  Flug  mit Ryanair from Lübeck- Hamburg(LBC) to Stansted (STN) - Sat, 29Sep01 Flight FR435 Depart LBC at 09:25 and arrive STN at 09:50 ein. Vorsichtig wie wir sind, haben wir unsere Taschenmesser im Gepäck verstaut. Nach den  Vorfällen am 11.September diesen Jahres haben sich die Kontrollen auf allen Flughäfen extrem verstärkt.

*Wir erinnern uns an einen Vorfall im letzten Jahr beim Umsteigen in Brüssel. Jens hatte vergessen sein  “Überlebensmesser” vom Gürtel zu schnallen, fällt mit seinem schwarz- weißen Halstuch sowieso schon auf und wird bei der Grenz- Zollkontrolle “festgenommen, abgeführt und das Messer beschlagnahmt”. Da haben wir drei uns  große Sorgen gemacht! Jens hatte Glück, nur das Taschenmesser fliegt separat in einem Umschlag mit und wird ihm in Berlin auf dem Flughafen wieder ausgehändigt.

 

Obwohl Raimund vorher beim Flughafen nachgefragt hat, dürfen wir nur mit erheblicher Überzeugungskraft gegenüber dem Flughafenpersonal unsere Instrumente als Handgepäck mit in das  Flugzeug nehmen.

Raimund wird vorher noch sein ca.5 cm langes Taschenmesser (in der Brieftasche vergessen!) abgenommen! Dies ist wahrscheinlich nicht der Grund, aber der Abflug erfolgt erst ca. 1 Std. später, weil  angeblich das Flugzeug in Stansted nicht abfliegen konnte. Der Flug verläuft ziemlich normal, obwohl wir in einer Gruppe Friseurinnen aus Schwerin/Hamburg sitzen, die übers Wochenende zu einem Betriebsausflug nach London  fliegen. Die Zeit vergeht schnell, da man amüsanten Gesprächen lauschen kann (Kati verzeih mir!). Einer von uns erlebt zwei hübsche Blondinen hautnah und genießt, die anderen drei freuen sich auf die roten Haare der  hübschen Irinnen (totaler Quatsch).

Trotz des verspäteten Fluges schaffen wir den Anschluß in Standsted nach Cork aber trotzdem noch gemütlich.

Auf dem Flughafen Stansted war “Red Alert” ausgerufen - d.h. keine  Diskussion mit dem Flughafenpersonal zur Mitnahme unserer Instrumente als Handgepäck, weil, erklärt man uns, mit einer Mandolinenseite auch einen Flugkapitän erdrosselt und mit dem Akkordeon erschlagen werden kann!!! Mit  einem weinenden Auge und ernsthaften Bauchschmerzen, geben wir die Instrumente an einem speziellen Schalter für “zerbrechliche Güter” ab und sehen sie auf einem Fließband polternd entschwinden. Mit diesem schlechten Gefühl  im Bauch, außerdem schon etwas hungrig, denn wie bereits bemerkt, bei Ryanair gibt´s noch nicht mal einen Keks, fliegen wir pünktlich nach Cork und sind sehr glücklich alle unsere Sachen wieder ohne Schäden in Empfang  nehmen zu können.

Obwohl, mein Bandoneon kommt über das Band gepoltert und scheint aus ca. 1,50 m Höhe auf das Koffer- Empfangsband zu fallen. Ein wenig schlecht wir einem dabei schon.

Kleiner Hinweis an Musikanten-  Kollegen: unbedingt ein Flightcase besorgen und Instrumente gut polstern, kleine Instrumente, wie Flöten und Munthis können ggf. auch im Handgepäck mitgenommen werden.

 

Cork-Irland Ankunft ca. 16.00 Uhr

Es ist empfehlenswert, bereits ein Auto in Deutschland zu buchen. Man spart  Zeit und es ist nicht unbedingt teuerer. Aber trotzdem ist das Lenkrad auf der falschen Seite, also nicht erschrecken!

 

 Wir fahren mit unserem gemieteten Auto Richtung Südküste nach Timoleague und genießen im Pub “Charlie Madden” unser erstes schönes schwarzes Pint Guinness.

Man kann es eigentlich kaum beschreiben, nach einem Jahr  Guinness - Abstinenz dieses herrliche Getränk wieder genießen zu dürfen. Und wir genießen es!

Im “Charlie Madden” soll heute Abend Lifemusik sein! So etwas mögen wir ja eigentlich.

Wir fragen im Pub erst mal nach  B&B (immer die einfachste und sicherste Variante, da in der Verwandtschaft es immer jemanden gibt, der ein Zimmer zur Vermietung hat) und der Wirt empfiehlt uns für 6 irPfund /Person das “Panoramahouse”. Schönes Haus,  kostet aber 20/pers. (fast normaler Preis). Das Haus gehört übrigens dem Dorfpolizisten. Wir nehmens trotzem an und gehen zurück  zum Pub “Charlie Madden”. Ein Musiker baut auf - zwei riesige Boxen und ne Menge Technik  –das kann nicht gut werden!! Nach längerer Meditation (es ist 21.00 Uhr) beginnt er an seiner Gitarre zu zupfen und an den Reglern zu drehen. Es ist nicht so unser Ding, um ehrlich zu sein  es ist grauenhaft und so  etwas gibt es leider zu oft. Viele Irlandreisende fallen immer wieder auf diesen Nepp rein.

 Wir verschwinden schnell und gehen in das “Mill House” gegenüber. Hier sieht es schon ein wenig uriger aus (schmuddelig und  laut). Andreas bekommt den Auftrag beim Pint holen die übliche Kommunikation mit dem Wirt zu suchen.

Er klärt mit dem Wirt beim  zapfen die ersten 5 wichtigsten Fragen der irisch- deutschen Grund- Kommunikation, die einen eigentlich in jeder Gegend erwarten:

(W= Wirt, A= Andreas oder Antwort)

1. W: How are you doing?  A: Well, fine, lovely.

2. W: It’s a nice day today (oder it is  very nice weather!- egal wie das Wetter ist).

A: Oh yes!

3. W:  Where dou you come from?  A: East Germany-Schwerin- near Hamburg.

4. W: Are you on holiday here? A: Yes, for one week only.

5. W: Do you like the Guinness? A: Oh yeeees.

Diese 5 Fragen werden einem  i.d.R. immer gestellt. Wenn wir dann noch erklären, dass wir Musiker sind, ist der Abend eigentlich gelaufen. Und so war es dann auch. Wir fragen (weil wir doch so höflich sind), ob wir Musik machen dürfen-... oh yes, of  course, it‘s no problem....oder ... lovely, excellent, etc.. Der Fernseher (gibt’s eigentlich in jedem Pub) wird meist sofort ausgeschaltet und die Leute sind begeistert von unserem traditional irish Folk. Der Pub wird  langsam voll, viele Farmer die scheinbar aus ihrem Stall kommen. Und das Guinness läuft. In den PP Pausen ist Andreas ein gefragter Farmer- Gesprächspartner (weil er einen Schafspullover an hat- nein, nein, weil er doch  auch fast Farmer ist!). Wir erfahren, dass es ein Lied vom Bruder von Brendan Behan (The old triangle) gibt: “Thank´s god, we are surounded by water!” und man erzählt uns Familiengeschichten aus Timoleague , wer mit wem  verwandt ist usw. hier erfahren wir, dass wir diese Nacht im Haus des Dorf-Sherrifs schlafen.

Nach vielen Jigs, Reels, Polkas, Songs, man wünscht immer wieder Lieder von uns -unser Dialekt muß zu lovely sein, spüren wir  gegen 1.00 Uhr morgens die Anstregungen (!!?)  unseres Anreisetages und die doch nicht wenigen geponserten Pint´s und verziehen uns. Der Abend war schon nicht schlecht für den Anfang.

 

Sonntag, 30.9.2001 Timoleague

Wir bekommen ein wunderbares Frühstück mit Ei  und Salmon (hatten wir auch noch nicht).

Anschließen besichtigen wir noch die berühmte Timoleague Abbey, die Kirchenruine einer alte Abtei aus dem 13.Jahrhundert, die 1642 von den Engländern geplündert wurde. Heute ist  in der Kirchenruine ein Friedhof angelegt. Die Anlage ist beeindruckend. Es gibt viele Kirchenruinen auf der Insel. Und hinter jeden Ruine steckt sicher eine bewegte Vergangenheit.

Wir fahren nach Limerick. Das Wetter ist heute besonders irisch - viel Regen (in Limerick soll es sowieso immer viel regnen (hierzu Buchempfehlung: “Die Asche meiner Mutter”).

Am Abend sind wir in Roscrea, lassen uns von Raimund anlässlich  seines kürzlich begangenen Geburtstages bei einem Chinesen zum Essen einladen, suchen uns B&B und einen Pub auf ein Pint und schließen den Tag so ab.

Am Sonntag kann es passieren, dass man einen Pub findet, in dem ein  allgemeines Wochenend- Familientreffen stattfindet. Wir haben vor einigen Jahren so etwas mal in Cavan erlebt. Von Grandma bis Baby sind alle vertreten – oft auch,um traditionelle Musik zu hören -und für alle, ob Kinder,  Jugend oder die Alten einen schönen Nachmittag zu erleben.

In Deutschland fast unvorstellbar, dass man am Sonntagnachmittag mit der ganzen Familie in die Kneipe geht. Eine schöne Tradition.

 

 

Montag, 1.10.2001

Fahrt nach Tullamore. Wir stöbern in  einem Musikladen und genießen unser erstes Pint Guinness an diesem späten Vormittag. Wir fahren weiter nach Kilbeggan -eine der ältesten Whiskey – Brennereien, heute Museum und bilden uns weiter! Wir wissen nun, dass der  Whiskey in alten Sherryfässern aus Portugal bis zur “trinkbaren Reife” gelagert wird und werden überall von dem schönen Sherrygeruch verfolgt.

Die Probierflasche Whiskey kann man hier nicht kaufen, ist einfach zu teuer  (und außerdem ganz legal gebrannt!).

 

Die schönsten Pubs in Irland verstecken sich hinter kleinen Krämerläden, oft kleine, enge Räume mit einem  Tresen und manchmal mit einer Zapfstelle auf der Straße (zum Tanken für´s Auto), meist etwas verbraucht und runtergekommen, weil schon sehr alt, aber urgemütlich. Vom äußeren und inneren Eindruck dieser Lokalitäten und  ihrer Gäste darf man sich nicht abschrecken lassen. Hier liegt die wahre Seele Irlands und man findet sie wenn man es eine weile aushält, die Leute studiert und nach ein paar Pints, egal zu welcher Tageszeit zum musizieren  übergeht. Wir haben dies schon sehr oft erlebt und genießen es immer wieder aufs neue.

In diesem Jahr erfahren wir, dass es auch Pubs gibt, die zu einem Bestattungsunternehmen/ Erdmöbelhersteller bzw. Sargtischler   gehören. Gefunden haben wir so eine “Lokalität” aber noch nicht. Warum aber auch nicht, es ist ja nun mal auch das natürlichste auf der Welt, dass alle mal ........

In Abbeylara, Co.Longfort (dieser Ort ist auf unser  Karte nicht verzeichnet !) mitten im County Longford gegenüber einer verfallenen Kirchruine finden wir einen Pub (nach nunmehr schon geschulten Blick im Vorbeifahren. Ein Krämerladen, klein, eng mit etwas alten Obst (braun  gesprenkelten Bananen), aber sonst alles was man fürs Leben so braucht und einer ca. 2,0 m hohen (ich konnte nicht drüberschauen!) Glas/Holzwand als Trennung zum Pub. Auf der Straße drei funktionierende Tanksäulen  (Petrolstation). Und dann, eine nette, sympathische Besitzerin/ Wirtin – Siobhán Mc Cormack.

Gegen 17.00 Uhr finden wir uns hier ein, sitzen uns fest und der Abend soll unerwartet lang werden.

Nach Klärung der  wichtigsten 5 Fragen (s.o.) sind die Instrumente eigentlich schon ausgepackt. Pat – the English teacher holt gleich seine Frau Oliv (!!! Olivia!) Fiddle und natürlich Champion im County ....... auf der Fiedle 19.....????  auch Lehrerin und eine Freundin Elektra??? mit Gitarre. Siobhán Mc Cormack spielt Querflöte und die “kleine” Schwester Shinnead Fiddle. Außerdem sind da noch die drei Brüder Paul, Merl und ..????.., die trinken Guinness  (viel), wir auch. Das “Folk” (eigentlich alles irgendwie zur Familie Mc Cormack  gehörend, ist begeistert und es entwickelt sich schnell eine herrliche Session, die sich so bis 3.30 Uhr in den Morgen hinzieht.

Die  Leute gehen (torkeln/taumeln=rullen-angelsächsisch=reel) und es kommen neue hinzu. John- the poor farmer hält lange mit. Man verspricht uns gegen 22.00.Uhr sich um B&B für uns zu bemühen und teilt uns gegen 2.00 Uhr  mit, dass es nicht mehr geht! Aber man findet was für uns.

Wir trinken viele Guinness, musizieren und singen viel, diskutieren ohne Ende über Gott (weniger) und die Welt (mehr über Europa), haben eine Menge Spaß und  werden von Siobhán zu Ihrer Hochzeit am Donnerstag eingeladen.

Der andere Pub im Dorf hat bereits geschlossen, deshalb sitzt der Wirt nun auch hier- keine Konkurrenz, alles Freunde. Die übliche Sperrstunde scheint es hier  nicht zu geben, vielleicht gibt es hier aber auch keinen Polizisten. Es ist dann doch schon recht früh, als wir im Haus wir irgendwann 2 Betten für uns  finden. Raimund und Peter schlafen (wie schon so oft) im  Doppelbett (kann nichts passieren -Kruzifix hängt über uns, heilige Marie und hlg. König bewachend stehen neben uns), Andreas und Jens im Nachbarzimmer- auch ein Bett, aber Jens lässt Andreas nicht rein und so muß Andreas  auf der Erde schlafen. So ist das immer bei den beiden. Dabei ist es viel schlimmer, wenn man “genötigt” wird mit einem netten, katholischen, extrem schnarchenden Iren, Kopf (mit viel Guinnessresten drin) an Fuß, in seinem  Ehebett (ohne Frau) zu schlafen.

Dienstag, 2.10.2001

Gegen 10.00 Uhr in der Frühe treibt es uns aus den Betten (mehr oder weniger der Druck vom letzten Abend). Das Haus scheint leer zu sein,  unsere Gastgeber sind nicht zu finden. Oder doch ......!?

Jens filmt das Haus oder besser den Zustand des Hauses von innen. Es sieht reichlich durcheinander hier aus, aber irgend jemand muss hier wohnen. In einem der  entlegensten Zimmern finden Jens und Andreas die beiden Schwestern Siobhán und Shinned, in einem nicht ansprechenbaren Zustand, also tief schlafend.

Wir finden im Haus einen PC mit Internetanschluss und versuchen Kontakt  mit der “Welt” aufzunehmen. Nach vielen Versuchen und der Tastenkombination –shift2=@ schaffen wir es ein Lebenszeichen per e-mail nach Hause zu senden.

Wir stehlen uns aus dem Haus,  fahren nach Granad und suchen  uns ein schönes Frühstück.

Wir versuchen als kleine Aufmerksamkeit für unsere Gastgeberin ein paar Blumen zu kaufen, es sieht aber sehr trostlos aus, da der einzige Blumenladen im Ort wegen Urlaub geschlossen hat.

 Nachdem Andreas und Jens in irgendwelchen Vorgärten nach Blumen Ausschau halten, der Meinung sind die netten Iren schenken uns ihre letzten Rosen, die Blumendiskussionen bei Reel langsam unausstehlich werden, halten es  Raimund und Peter nicht mehr aus, lassen sich nach diesen uneffektiven Diskussionen lieber am nächsten Pub absetzen und überlegen nunmehr so, bei einem Glas frischen Guinness (und es denkt sich dabei so schön leicht), wie  man den Mädels noch eine Freude machen kann -und schon kommen die beiden anderen wieder -mit Blumen- wir wussten doch, dass es geht.

Als wir in Abbeylara ankommen sind Patrick, der zukünftige Bräutigam  und die  Brüder da. Man unternimmt “Wiederbelebungsversuche” bei Siobhán, es war wohl doch ein wenig viel die letzte Nacht (die haben aber auch gut durchgehalten) und es wird noch den ganzen Tag dauern, bis Siobhán wieder auf den  Beinen steht.

Wir lassen unsere Blumen da und wir wissen nicht wie Patrick und die Brüder diese Geste auffassen. Die Mädels freuen sich jedenfalls riesig, wir verabreden uns am Donnerstag zur Trauung und verabschieden  uns, Paddy mit einem sehr kräftigen Handschlag - was soll dass wohl bedeuten (ich glaube, der mag uns nicht)!

Später erfahren wir, von Paul oder Merl dass “Blumen schenken” in Irland schon was außergewöhnliches ist und  die beiden Schwestern sich sehr über diese freundschaftliche Geste gefreut haben. (na also! Haben wir doch gut gemacht Raimund).

Wir fahren nach Cavan.

Hier haben wir schon wunderbare Sessions und lange Nächte  erlebt. Eine kleine Stadt, mitten im Herzen Irlands, kurz vor der nordirischen Grenze.

Hier haben wir auch schon einen Wistle, Bohdran und Knopfakkordeon spielenden lustigen Pfarrer kennengelernt. Man müsste ihn mal  wieder besuchen.

In der Taxi-Station erfahren wir, dass Enda Mc Damott  heute frei hat. Im Pub, dass er den Pub wieder mal gewechselt hat. Den uns benannten Pub gibt es jedoch nicht -will man uns verarschen? Nach dem  zweiten Guinness beschließen wir Gerry anzurufen.

Im Pub gibt man uns seine Telefonnummer, wir rufen an und das Gespräch ist merkwürdig “kalt”. Wir verabreden uns mit Gerry am Mittwoch um 14.00 Uhr wieder im Pub.

Am  Abend gehen wir in Enda MC Damotts neuen Pub – plüschig und echt ungemütlich. Nach zu langem Warten beschließen wir, nach Killeshandra zu fahren.

Wir gehen in den  Shamrock Inn – ein uns bereits bekannter Pub- hier  haben wir im vergangenen Jahr zur Familienfeier zu Ehren des verstorbenen Vaters von Enda viel Musik gemacht und viel Guinness getrunken.

Der Pub ist gut gefüllt. Später stellen wir fest, es ist eine Gruppe Waliser, die  zum Angeln hier sind. Jens und Andreas gehen los um “Betten” zu besorgen und finden leider nur ein Hotel für 25 Pfund/Pers.- das ist zu viel.

Der Wirt hat scheinbar in seinem Leben zuviel hinter dem Tresen gestanden -es  dauert jedenfalls eine Weile bis er unser Problem erkannt hat und sagt so nebenbei -ihr könnt auch hier ein Zimmer kriegen (B&B für 18 pfd). Andreas und Jens bringen die Schlüssel weg, aber das Hotel findet raus wo wir  abgestiegen sind und fragt wo die Hotelschlüssel geblieben sind!?? Andreas bekommt ein wenig Panik und versucht dem Wirt im sauberen Deutsch mehrfach zu erzählen “ich habe doch den Schlüssel auf den Tisch gelegt”, der Wirt  versteht gar nichts!

 

Jens verzieht sich ins Bett und wir musizieren für die Waliser. Es springen einige Guinness dabei raus und gegen 1.00 Uhr  werden die Stühle hochgestellt.

Mittwoch 3.10.2001

Wir frühstücken im Shamrock Inn (wie immer) ausgiebig und gut.

Wir fahren in Richtung Carrick on Shannon und beschließen, doch den alten  “Flüchtling” Dieter Ernesto Saitz zu besuchen. Dieter wohnt zwischen Drumshanbo und Leitrim, eine Gegend, in die sich höchsten mal ein enthusiastischer Angler, aber kaum ein Tourist verirrt. Die Gegend ist landschaftlich  schön, sogar ein paar Berge. Auf einem der höchsten Berge steht ein Kreuz, welches in der Nacht beleuchtet ist (wir haben es bei den wichtigen nächtlichen Geschäften von Dieters Grundstück aus oft gesehen). Saitz wohnt in  einer gefährlichen Gegend - die nordirische Grenze ist nah und einige böse IRA Kämpfer trachten nach Dieters Leben, erzählte er nicht nur uns ständig.

Von der Landstraße R207 geht es eine Weg zu seinem Grundstück bergauf  und einspurig ca.5 km. Uns kommt ein PKW mit deutschen Kennzeichen (Bochum) entgegen, dass kann eigentlich nur Besuch vom Dieter sein. Wir müssen mit unserem Auto zurücksetzen und schauen bös (furchteinflößend)  auf  die “Deutschen”. Die junge Frau telefoniert aufgeregt mit ihrem Handy (dieses Wort gibt es im Englischen übrigens nicht - kennt keiner! Das heißt mobile phone) und kündigt bei Dieter vier bösartige, rebellisch aussehende  Iren an (weil wir doch ein Auto mit irischem Kennzeichen fahren).

Dieter kommt uns entgegen, ein wenig blaß weil vorgewarnt und erkennt uns erst auf den zweiten Blick.

Wir wundern uns, weil wir glaubten der alte  Einsiedler verkommt mit der Zeit total. Aber sein Haus ist zum Teil renoviert, sein Sohn Bennjamin geht wieder in die Schule und die 21 jährige Jenny arbeitet in Carrick on Shannon im Krankenhaus, nachdem sie die Ausbildung  in London abgebrochen hat. Auf jeden Fall freut sich die gesamte Familie Saitz, dass wir da sind und wir verabreden uns für den Abend.

Wir fahren nach Cavan, weil wir dort um 14.00 Uhr unseren alten Freund Jerry treffen  wollen.

Im verabredeten Pub kommt ein Typ und stellt sich vor als Jerry Henderson. Den Typen kennen wir nicht, sind aber mit ihm verabredet, ein uns nicht erklärbares Missverständnis. Ein irischer Musiker aus Canada der  z.Z. wieder mal in Irland ist.

Jerry Henderson- wir haben auf Jerry Hennessy gewartet.

Wir fahren zu Dieter Saitz zurück und verbringen mit den Leuten aus Bochum einen gemütlichen Abend. Julia und Peter bauen gerade in  der Nähe ein Haus und werden im Frühjahr von Deutschland nach Irland um ziehen. Ein Job wird sich finden. Dieter hat am Donnerstag ein Vorstellungsgespräch in Dublin.

Donnerstag, 4.10.2001

Wir  frühstücken in einem Hotel in Carrick und singen uns so in den Tag. Es muß einfach ein schöner Tag werden.

Heute sollen Paddy und Siobhán heiraten. Wir fahren nach Longfort und suchen die Kirche, wo die Trauung um 13.00  Uhr stattfinden soll. Hier gibt es zum Glück nur drei Kirchen- aber in keiner Kirche sieht es nach Hochzeit aus. Auch ein Kirchdiener kann uns da nicht weiterhelfen. Eine nette Politesse bringt uns auf die Idee doch mal im  Hotel of Arms (hier soll die Feier steigen) nachzufragen. Dort erfahren wir, dass die Trauung in Abbeylara stattfindet. Wir rasen über die Landstraße und das ist bei den Straßenzuständen z.T. nicht einfach, sind 13.20 Uhr  in Abbeylara und erleben noch eine schöne katholische Trauung, ganz in Familie.

Die  Familie freut sich (wirklich), uns wieder zu sehen. Wir sind erstaunt- es sehen alle so ordentlich aus. Tolle Braut und  Brautjungfer (Shinned), Bräutigam und sogar die Brüder in feinen Zwirn und scheinbar nüchtern (nein, mit etwas roten Augen!).

Die Trauung dauert recht lang. Die Leute sind aber geduldig! Zwischendurch spielen Oliv  (Fiddle) und Elektra (Gitarre)  und eine uns unbekannte Dame singt sehr schön dazu. Die Familie fährt zur mehrtägigen Feier nach Longfort und wir verabreden uns für morgen Abend.  Wir gehen mit John und einigen  der Gäste noch auf 1-2 Pint Guinness in den Pub und fahren dann Richtung Westen auf der Suche nach einem interessanten Ort. Ach war das schön. Aber wir brauchen das ja nicht mehr (das Heiraten).

 Kurze Abhandlung des 4.10.2001 nach Aufzeichnung von Jens

-10.00 Uhr Frühstück

-1.Pint Guinness in einem Pub in Carrick on Shannon

-Suche nach Kirche in Longfort

-Trauung in Abbeylara

-2.Guinness im McCormacks Pub Abbeylara mit John, the pure farner, Olive, Elektra, Sängerin mit Hut,

-Longfort- Raimund hat Knacken im Nacken....

-3. Pub in Ballyna..... Richtung Laneborrow –Ladenpub, mit  Tanksäulen und Flugzeugsitzen – Whyskey, Guinness, Tee

-Laneborrow 5.Pub – hier treffen wir deutsche Angler

 

Unterwegs finden wir  einen Pub, in dem statt der oft üblichen Plüschgarnituren alte Flugzeugsitze stehen. Die Gegend ist nicht so schön (Torfabbaugebiet/ Torfkraftwerk). Wir finden in Laneborow einen B&B und ruhen uns aus, für das was noch  kommt.

Es ist ein Ort, wo sich eine Menge Angeltouristen rumtreiben. Was soll´s, nach einigen Pints geht’s auf die Matraze.

 

Freitag, der 5.10.2001

Nach Longfort ist es nicht sehr weit.  Wir vertrödeln den Tag und fahren zum Polterabend. Gegenüber vom Hotel of Arms gibt’s einen Pub “The Tangled Web”, in dem wir uns gegen 18.00 Uhr verabredet haben. Es sind eine Menge Leute da, unsere Hochzeitsfamilie ist  schon recht gut bei der Sache und die Stimmung schon nicht schlecht. Nach kurzer “Eingewöhnung” fangen wir an zu musizieren. Es wird eine gute Session mit einigen netten Musikern. Gegen 21.00 Uhr hat ein Einzelkämpfer mit  Gitarre und viel Technik aufgebaut. Seine Show besteht aus ca.30% Gitarrenspiel, 50% Technik bedienen und 20% besoffene Leute von der Bühne vertreiben. Der Typ covert eine Menge bekannter Sachen und das gar nicht so  schlecht. Er zieht ca. 2-3 Std. durch und packt wieder ein. Die Leute tanzen gut ab.

Wir haben Glück und finden über einem Pub noch B&B. Die Nacht ist gerettet.

Samstag, der 6.10.2001

Ab  zum Flughafen nach Cork. Wir haben in Stansted leider in der Nacht zu lange Aufenthalt und zu wenig Guinness, dass ist ein wenig anstrengend.

Wir haben wieder eine Menge Leute kennengelernt, Einladungen bekommen und  planen im nächsten Jahr einige von Ihnen zu besuchen.

Es gab eigentlich in diesem Jahr, wie auf allen unseren bisherigen Reisen keine Planung.

Wir sind in einer Gegend “hängen geblieben”, durch die man eigentlich nur  durchfährt. Es lohnte sich immer wieder, hier anzuhalten. Wir kennen viele solcher Gegenden auf der Insel, sind schon öfter “versackt” und trotzdem leider zu wenig angehalten. Ob Charlestown, Abbeylara, Cavan, Cahir – keine  Touristenzentren, aber Städte mit einem ganz besonderen Reiz, mitten im Herzen der grünen Insel.

Die nächste Tour ist geplant -September 2002-wir freuen uns.

 Schwerin im Oktober 2001                                                                      

 

 Euer Peter